Produkttest
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Billigstprodukte auf dem Prüfstand

Es gibt keine Wunder

Die Situation kennt jeder Fachhändler: Auf ganzseitigen Anzeigen oder in Tageszeitungs- Beilegern verramschen Discounter und Baumärkte            Lockvogel-Angebote.

Billige Armaturen

Die getestete Armatur (links), die Kartusche (Mitte) und der Panzerschlauch nachdem er sich vom Konus gelöst hat( rechts).

Wer hat sich nicht schon darüber geärgert: In ganzseitigen Anzeigen oder in Beilagen zu Tageszeitungen bieten  Discounter und Baumärkte Armaturen als so genannte „Lockvogel- Angebote“ an. Und das zu einem Bruchteil des Preises, den der Fachhandel für Qualitäts- Armaturen verlangt. Es besteht kein Zweifel: Wo die Handbrause mit Schlauch für 9,95 Euro oder die „Qualitäts“- Armatur für 12,99 Euro inseriert wurde, da hat es der örtliche Handwerker nicht leicht, wenn es ans Verkaufen von Markenprodukten international renommierter Hersteller geht. Aber auch angesichts dieser reinen Kampfpreise stehen dem Handwerker genügend fundierte Argumente zur Verfügung: Zuweilen ist, was da angeboten wird, wirklich Ramsch. Kludi Austria hat nun eine solche Armatur gekauft und auf Herz und Nieren geprüft.

Gefahr im Verzug

Ort der Prüfung: Das bestens ausgestattete Kludi Testlabor im burgenländischen Hornstein. An den Wänden Apparaturen, die testen, was nach österreichischen und europäischen Normen Stand der Technik ist und von einem Haustechnik-Produkt erwartet werden kann.

Auf dem Prüfstand:

Eine Discounter Armatur für sagenhafte 19,99 Euro. Das erste unglaublich gefährliche Ergebnis: Im standardisierten Prüfverfahren löste sich beim Drucktest der Panzerschlauch vom Konus-Anschlussstück am Armaturenkörper. Passiert dies in einem Haushalt richtet der billige Einhebelmischer im schlimmsten Fall Schaden in astronomischer Höhe an.

Folgeschäden nicht gedeckt

Alois Giefing, Leiter Qualitätssicherung bei Kludi Österreich: „Wenn der Panzerschlauch vom Konus der Verschraubung abgeht, dann gehört das zum Schlimmsten, was man als Verbraucher mit einer Armatur erleben kann.“ Die dem Produkt beiliegende Garantiekarte schließt weitergehende Ansprüche aus: Wenn das Haus geflutet ist, dann gibt`s zum Ausgleich eine neue Armatur – vorausgesetzt der Kunde will noch eine von dieser Sorte.

Auch die Haushaltsversicherung muss den aufgetretenen Schaden nicht unbedingt ersetzen und kann auf das Produkthaftungsgesetz und die ausführende Firma verweisen. Die Verpackung wirbt mit dem Aufdruck „LGA geprüft“ (Landesgewerbeanstalt Bayern).

Auf Anfrage erklärt Martin Fries vom Sanitärtechnik-Fachzentrum der LGA Würzburg,

man habe zwar ein Geräuschprüfzeichen vergeben – die Armatur sei darüber hinaus aber nicht untersucht worden. Ein weiterer Faux pas: Auch auf die Kennzeichnung der Anschlüsse für kaltes respektive warmes Wasser verzichtet. Gerade wenn – wie bei Discount-Produkten oftmals üblich – der Käufer selbst montiert , verspricht das eine gefährliche Verwechslungs- Komödie. Speziell Käufer mit Kindern in der Familie sollten sich über die fehlende Heißwassersperre Gedanken machen: Immerhin liefert die Armatur bei voll geöffnetem Hebel

16 Liter des heißesten Wassers an, das der Boiler liefern kann. Die ungebremsten Durchlauf- mengen ( bis zu 18 Liter Mischwasser) zeigen zudem, dass langfristig durch den Siphon gurgelt, was kurzfristig gespart schien. Markenarmaturen haben hier einen Durchflussbegrenzer.

Gesundheit stark gefährdet

Nachdem die Armatur auf Herz und Nieren getestet war, wurde natürlich auch eine Obduktion durchgeführt. Die Messingproben aus dem Armaturengrundkörper sollten Auskunft über die Herkunft der Armatur und der verwendeten Rohstoffe geben. Auch hier machte sich großes Erstaunen breit. Giefing:  „Wir wissen, dass beispielsweise in China Alteisensammler einfache Messinggießereien beliefern. Von der alten Posaune bis zum Zinnsoldaten wandert alles in den Schmelztiegel – und häufig arbeiten Kinder in diesen Betrieben.“ Die Österreichische Installateur-Zeitung berichtete darüber bereits im vergangenen Jahr.

Normen sind Schall und Rauch

So ähnlich könnte auch die getestete Armatur zustande gekommen sein: Das verwendete Messing verletzt nicht nur in allen Fällen die hauseigenen Kludi-Qualitätsnormen, sondern zuweilen auch die DIN 50930 Teil 6 (Grenzwerte entsprechend  der Trinkwasserverordnung):

Deutliche Grenzwertüberschreitungen ergeben sich bei den Nickel– und Siliziumanteilen der Messinglegierung. Das bedeutet nicht nur, dass minderwertiges Messing verschmolzen wurde, sondern auch, dass der Gesundheit der Nutzer recht wenig Wichtigkeit beigemessen wird. Giefing: „Zu fragen ist, inwiefern sich die teils giftigen und in beachtlicher Konzentration vorliegenden Metalle im anstehenden Wasser ablagern.“ Gemeint ist das Wasser, das zwischen den Zapfvorgängen lange im direkten Kontakt mit dem Messing des Mischers steht – und anschließend zum Trinken, Zähneputzen oder Kaffeekochen verwendet wird. Martin Fries von der LGA formuliert es anders: „ Wenn der unbedarfte Einkäufer einer Discounter- oder Baumarktkette loszieht und in China eine billige Armatur ordert, dann denkt er, er kaufe einen Wasserhahn. In Wirklichkeit kauft er eine Zapfstelle für unser wichtigstes Lebensmittel.“

Am Ende bleibt der Endverbraucher übrig: Wenn er besonderes Pech hat mit einer angegriffenen Gesundheit und nach oben unbegrenzten Schäden an seinem Wohnraum.

Quelle: Installateur 3/2004

 

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